Sehne auffasern

 

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Sehne ist vielseitig, praktisch, sicher, sauber und unkompliziert. Bevor Plastik sich ausbreitete, was es ein beliebtes Handwerksmaterial. Im traditionellen Pfeil- und Bogenbau spielt es eine wichtige Rolle. Es wurde damit aber auch sonst alles Mögliche genäht und gebunden.

Der Clou: Eingeweichte Sehne zieht sich beim Trocken zusammen, härtet aus und klebt auf sich selbst. So lassen sich mit wenig Mühe und Material sehr feste Verbindungen schaffen.

Geeignet sind Sehnen von Vögeln und Säugetieren. Je länger, desto besser. Meist verwendet man Achillessehnen und Nackenbänder irgendwelcher Paarhufer, diese hier ist von einem Strauss. Metzger können zuweilen Sehnen aus dem Schlachthaus beziehen,  Jäger haben Sehnen, und in grösseren Läden für Haustierbedarf findest du sie als Kauzeug für Hunde. Pass aber auf, dass sie nicht geröstet sind von der Trocknung. Frische Sehnen legst du einfach zum Trocknen an die Luft. Saubere Sehnen fangen nicht an zu stinken.

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Wirklich hübsch sind sie aber dennoch nicht. Das lässt sich ändern! Zur weiteren Verwendung löst man die Faszienfasern voneinander, damit das Material formbar wird:

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Man nimmt eine Sehne,

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löst die verschiedenen Stränge voneinander und aus der Sehnenscheide,

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und separiert einen einzelnen Sehnenstrang.

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Mit einem runden Schlägel auf einem runden Amboss wird der Sehnenstrang kräftig und unter stetigem Drehen geklopft.

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Die Rinde hätte ich besser vorher weggemacht. Sie löst sich schon mit einigen Schlägen. Hübsches weisses Birkenholz!

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Nach ein wenig Klopfen beginnt die Sehne aufzuspleissen.

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Jetzt ist sie bereit zum Zerzupfen. Immer von der Mitte aus halbiert man das Faserbündel. Die Fasern sind ein wenig verfilzt, zu den Enden hin kann es etwas Kraft brauchen.

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Es bildet sich ein immer weisseres, wolligeres Fasermaterial.

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So etwa. Jäger und Sammler kauen solche Fasern vor der Verwendung einfach weich. Davon würde ich eher abraten, auf jeden Fall bei industriell gehaltenen Tieren. Lege sie in lauwarmes Wasser (achtung, Hitze ab etwa 50 Grad zerstört die Sehne), lasse sie ein, zwei Stunden einweichen und ziehe sie dann ein paar mal über ein Stöcken oder so.

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Dann werden sie glasnudelig wie hier links, und sind bereit zur Verwendung.

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