Trommel bespannen

Erinnert ihr euch noch an den Trommelkörper aus Pappel, den ich im Frühjahr grob ausgeschnitten hatte?

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Er ist ziemlich gut getrocknet. Einige kleinere Risse hat er zwar, aber keine, durch welche die Sonne scheint. Eine Lücke am oberen Rand des Bechers, aber da wird die Haut drüber kommen.

Ich schneide noch alles etwas dünner und gleichmässiger und putze die Oberflächen nach. Der obere Rand, über den die Haut gezogen wird, muss ausserdem rund und glatt sein. Dann tränke ich das Holz mit Leinöl, um es vor Nässe und Trockenheit zu schützen.

Speziell im Inneren der Trommel kann ich das Holz nicht in die Richtung schneiden, welche ich gerne möchte, und es bleibt eher ein Spalten. Viele Splitter und Fasern bleiben stehen. Ich flämme deshalb das Innere aus.

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Die Haut ist von einem Reh, weil ich davon einfach reichlich habe. Ich werde ein Stück aus dem Nackenbereich nehmen, da ist die Haut am dicksten, was einen warmen Ton ergibt, der für diese Trommel passen dürfte. Der Holzkörper kann auch mehr Spannung aufnehmen als einer aus Ton.

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Ich platziere Die Trommel so, dass die Rückenlinie des Tiers zentral durch die Trommelfläche läuft . Ausserdem dürfen keine Defekte wie hier z.B. die Löcher vom Durchschuss im Bereich der Trommel sein. Der Bluterguss beeinträchtigt nicht die Struktur der Haut, wird aber als Verfärbung zu sehen sein.

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Rund um die Trommel brauche ich etwas überstand für die Befestigung der Haut. mit der Scherenspitze kratzt man eine Markierung und schneidet das Trommelfell dann aus.

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Danach mische ich aus 1 Volumenteil Asche und 2 Teilen Wasser eine Lauge. Diese dient dazu, die Haut soweit aufzuweichen, dass sich die Haare entfernen lassen. Die Asche muss nicht frisch sein, aber sie darf zuvor noch nie nass gewesen sein! Die Haut kommt da rein, wird mit ein paar Steinen beschwert und ab und zu etwas bewegt, damit keine Stelle trocken bleibt. Da drin bleibt sie einige Stunden, je nach Temperatur und Lauge.

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Die Haut muss so lange in der Lauge sein, bis die Haare sich fast ohne Widerstand ausrupfen lassen.

Wenn du mit den Fingern in die Lauge musst (eben zum Beispiel um zu schauen, ob die Haut schon genügend gebeizt ist) pass auf, dass deine Haut fettig ist, die Berührung minimal bleibt, und wasche sofort danach alles mit Wasser ab!

Wenn es soweit ist, spüle die Haut und die Haare mit viel kaltem Wasser gründlich aus. Dann werden die Haare grob ausgerupft. Manchmal geht das leicht, und man kriegt schon alles fast sauber, manchmal geht es weniger gut, wie hier, und die Haare brechen. Der Nackenbereich ist immer am zähesten.

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Die verbleibenden Haare werden mit einem Messer oder etwas ähnlichem abgeschabt. Auf einer harten Oberfläche geht das leichter, aber die Gefahr, die Haut zu beschädigen ist ebenfalls grösser.

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Dabei wird die Haut auch gedehnt, was durchaus gut ist. Wenn sie dann einigermassen sauber ist, nochmal waschen. Die Haarseite ist jetzt recht glatt mit Poren und ein paar Stoppeln, und die Fleischseite ist etwas unansehnlich.

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Die Trommel bekommt nun einen Türkenbund umgelegt, der unten den Zug aufnehmen wird. Etwas Luft lassen. Um Trommeln zu bespannen, braucht es gute, starke Schnur.

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Zum Aufspannen legt man die Haut mit der Haarseite nach unten auf ein Tuch und Stellt die Trommel mittig auf die Fleischseite der Haut. Ich steche etwa in der Mitte des Randes ein Loch, lege die umlaufende Schnur drauf und ziehe die Enden durch das Loch. Nicht zuknoten! Um die Schnur durch die Löcher zu fädeln, tränke ich die Spitze mit flüssigem Wachs.

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Rund um die Trommel in gleichmässigen Abständen werden Löcher in die Haut gestochen, ebenfalls etwa in der Mitte des Randes. Bei dieser Trommel 10.

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Jetzt wird die Zugschnur durchgefädelt, ein Loch nach dem anderen, immer gleich. Noch nichts straff ziehen.

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Wenn alles eingefädelt ist, wird die umlaufende Schnur zugeknotet, der Rand der Haut nach innen gelegt und alles einmal angezogen. Es ist hilfreich, die Zugschnur etwas zu ölen, wenn sie sonst zu stark reibt.

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Danach nehme ich ein Stöckchen, um die Schnur in mehreren Durchgängen immer härter zu spannen. Immer so rum, wie ich eingefädelt habe. Das ist ziemlich anstrengend. Wenn nicht, hat man zu wenig gespannt.

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Danach stelle ich Trommel an einen trockenen Ort. Die Haut wird sich beim Trocknen zusammenziehen und noch mehr Spannung aufbauen. Bis sie trocken ist, darf man die Trommel auf keinen Fall spielen. Ich gehe mir die Hände waschen und bin gespannt, wie sie klingen wird.

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2 Gedanken zu “Trommel bespannen

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